Heute bin ich 44 Jahre alt geworden.
Robert Louis Stevenson ist auch 44 Jahre alt geworden. Älter nicht, weil ihm eine Hirnblutung dazwischenkam. Auch F. Scott Fitzgerald ist 44 Jahre alt geworden. Länger hat er am Spiel des Lebens aber nicht teilnehmen können, wegen seiner Alkoholabhängigkeit und einem frühen Herzinfarkt. Und Maria Stuart — man könnte ja durchaus meinen, einer schottischen Königin geht es so gut, dass sie richtig alt wird — hat es auch nicht jenseits der 44 geschafft. Schuld bei ihr war eine Hinrichtung.
So kommt den Leuten halt immer irgendwas dazwischen. Ich hoffe, ich werde noch mal mindestens so alt. Während meines Studiums, also in meinen 20ern, hat es einen Bekannten aus meinem Freundeskreis plötzlich erwischt. Hirnblutung. Einfach so, über Nacht. So etwas lässt sich natürlich nie ausschließen. Wenn die eigene Geschichte auserwählt ist, dann wird man aus der Handlung dieses Planeten getilgt.
Gegen Alkoholismus kann ich etwas tun. Einfach nicht so viel saufen. Mach ich zum Glück eh nicht. Ich hab zwar ein volles Weinregal, das ich auch nur zu gern wieder auffülle, wenn mal eine Flasche daraus getrunken wurde. Aber es dauert ewig, bis das passiert. Mitunter steht in diesem Haushalt auch eine offene Flasche Rotwein mal zwei Wochen einfach so rum. Es gibt sogar Rotweinflaschen, die so lang offen rumstanden, dass sich ihr Rotwein-Zustand in einen Portwein-Zustand weiterentwickelt hat.
Und eine Hinrichtung zu entgehen, sollte ich hinbekommen. Okay, man weiß nie. Die Welt ist krank und es passieren die seltsamsten Dinge. Überall und jederzeit. Aber von allen potentiellen Todesarten ist das vermutlich diejenige, die am unwahrscheinlichsten eintreten wird.
Wie dem auch sei: 44 Jahre. Find ich nicht schlimm, wirklich nicht. Viel blöder finde ich, dass der 30. April nicht nur mein Geburtstag ist, sondern auch Hitlers Todestag. Dessen Ableben durch Suizid war mindestens so feige, wie sein Taten grausam waren.
Jetzt brauchen wir alle eine kleine Aufheiterung, oder? Dann mal los:
Ein schöner Geburtstagsgeschenketisch, oder? Da könnt ihr alle mal reinzoomen und stöbern und analysieren. Aber wisst ihr was? Dieser Tisch ist sechs Jahre alt. Auf meinem heutigen Geburtstagstisch lag ein Paar Hausschuhe und ein neuer Fahrradsattel (Ich sag nur Prostata!).
Für sich genommen klang das eben bestimmt furchtbar dramatisch. So als würde ich eigentlich sagen wollen, dass ich jetzt so wenig bekommen habe. Aber die Wahrheit ist: Vor allem die Platten habe ich mir damals alle selbst zum Geschenk gemacht. In diesem Jahr habe ich mir nur den Fahrradsattel selbst geschenkt und sonst hab ich alles, was ich brauche. Gerade bin ich vermutlich in der fittesten physischen Verfassung der vergangenen fünf Jahre durch meine Ernährungsumstellung und den Sport. Nur meine mentale, meine psychosomatische Verfassung sollte sich bitteschön in den kommenden Monaten noch verbessern. Denn ich lerne gerade, das stimmt, was sich Menschen ab einem gewissen Alter (40?) immer sagen: Das Wichtigste ist Gesundheit. In diesem Sinne — alles Gute, Liebe und Schöne meiner Mama, die mich vor 44 Jahren aus ihrem Unterleib gepresst und schon davor gute neun Monate durch die Gegend getragen hat. Danke fürs Großziehen, Erziehen und ziehen lassen. Danke für Werte, Moral und Kompass. Immer wieder schön, dass ich sein darf. Das muss man sich auch wirklich mal vor Augen halten. Also wir alle. Ich hab das schon gemacht, deshalb schieb ich hier den Melancholischen. Jetzt seid ihr an der Reihe. Und ich mach mal das Licht aus. (Ich war heute — kein Scherz — 44 Minuten Laufen und Schlaf ist meine Belohnung.)
